Mehr Planungsflexibilität für KMU dank Punktwolken-Ansatz
Die vorgestellte Methode zur direkten Nutzbarmachung von Punktwolken zeigt, wie eine belastbare, digitale Planungsgrundlage geschaffen werden kann, ohne hohe Aufwände für die Modellierung einzelner Fabrikobjekte aufbringen zu müssen. Durch die Kombination von Punktwolkendaten mit alphanumerischen Informationen können Anwender Nutzungsszenarien digitaler Fabrikmodelle umsetzen, ohne den aufwendigen Schritt der Nachmodellierung in CAD-Tools gehen zu müssen.
Die Anwendung der Methode am Beispiel der drei KMUs hat gezeigt, dass dieser Ansatz auf verschiedene Produktionsumgebungen übertragbar ist. Dabei konnte die Methode sowohl in planungsorientierten Nutzungsszenarien wie der Layoutumgestaltung, als auch in betriebsorientierten Szenarien, beispielsweise der Anzeige und Verknüpfung von Betriebsdaten auf Anlagenebene, erfolgreich angewendet werden.
Die jeweiligen Umsetzungen verdeutlichen, dass unterschiedliche Nutzungsszenarien durch die Kombination bereits vorhandener Softwarelösungen umgesetzt werden können. Hierbei sind keine speziell entwickelten Systemumgebungen notwendig. Dadurch bietet die Methode insbesondere KMUs einen praxistauglichen Einstieg in die Nutzung von Punktwolken.
Manueller Aufwand bleibt z.T. bestehen
Im Zuge der Anwendungen wurden jedoch auch aktuelle Grenzen der Methode und des verfügbaren Technologiestands deutlich. Dazu zählen insbesondere der manuelle Aufwand bei der Segmentierung und Attribuierung von Punktwolken. Auch, wenn dieser Aufwand deutlich geringer ausfällt als eine Modellierung, liegt in der Automatisierung dieser Schritte ein großes Optimierungspotenzial. Zudem zeigt sich, dass die Kompatibilität einzelner Softwarelösungen ein Hindernis bei der Umsetzung gewisser Nutzungsszenarien darstellen kann. Dennoch konnte in allen drei Fällen ein Mehrwert hinsichtlich Datenverfügbarkeit, Transparenz und Planungssicherheit generiert werden.
Zukunftsausblick: Weitere Automatisierung und vereinfachte Integration
Für die zukünftige Forschung ergibt sich daraus insbesondere die Notwendigkeit, Teilprozesse der Methode weiter zu automatisieren. Hierbei bietet der Einsatz von Machine-Learning-Verfahren ein hohes Potenzial, insbesondere zur Klassifikation komplexer Fabrikobjekte. Darüber hinaus muss die Entwicklung standardisierter Schnittstellen angestrebt werden, um attribuierte Punktwolken nahtlos in bestehende Planungs-, Betriebs- und Simulationsumgebung en zu integrieren. So könnten Punktwolken von Fabriken einen größeren Nutzen darstellen als eine bloße Modellierungsgrundlage. Eine Erweiterung der Methode um immersive Visualisierungstechnologien, wie Virtual- oder Augmented-Reality-Anwendungen, könnten zudem die intuitive Nutzung und Zusammenarbeit verschiedener Stakeholder weiter verbessern.
Insgesamt zeigt die entwickelte Methode, dass die erweiterte Nutzbarmachung von Punktwolken eine praktikable Möglichkeit zur Digitalisierung von Fabriken darstellt. Sie trägt dazu bei, die Potenziale digitaler Fabrikmodelle auch für KMUs zugänglich zu machen und leistet somit einen Beitrag auf dem Weg zur Digitalisierung des deutschen Mittelstandes.