Optimiertes 3D-Zahnrad

Tragfähigkeit additiv gefertigter Zahnräder mit Leichtbau-, Oberflächen- und In-Situ-Aufkohlungsoptimierungen

Additiv gefertigte Zahnräder bieten enormes Potenzial für leichtere, leistungsfähigere Antriebsstränge – doch verlässliche Auslegungskennwerte fehlten bisher. Das Forschungsprojekt »Optimiertes 3D-Zahnrad« schließt diese Lücke durch systematische Untersuchungen zu Leichtbaustrukturen, Oberflächenoptimierung und innovativer In-Situ-Aufkohlung.

 

Ausgangssituation und Problemstellung

Das Pulverbettbasierte Laserstrahlschmelzen (PBF-LB/M) ermöglicht die Herstellung von Zahnrädern aus dem Einsatzstahl 16MnCr5 mit komplexen Leichtbaustrukturen, die mit konventionellen Fertigungsverfahren nicht realisierbar wären. Vorangegangene DFG-Forschungsvorhaben (Kurztitel: Generatives Zahnrad II) zeigten bereits, dass Masseeinsparungen von bis zu 45 % möglich sind und additiv gefertigte Verzahnungen prinzipiell tragfähig sind. Dennoch blieben zentrale Fragen offen:

  • Die Zahnfußtragfähigkeit liegt aufgrund hoher Oberflächenrauheit und prozessbedingter Fehlstellen unterhalb der Werkstoffqualität MQ nach ISO 6336.
  • Das Leichtbaupotenzial der Zahnradnabe ist noch nicht ausgeschöpft – Masseeinsparungen von über 60 % erscheinen erreichbar.
  • Die kosten- und zeitintensive Wärmebehandlung „Einsatzhärten" könnte durch eine In-Situ-Aufkohlung während des Bauprozesses substituiert oder gezielt variiert werden.

Für Anwender aus Industrie und kmU fehlen bisher abgesicherte Prozessparameter und Tragfähigkeitskennwerte, die eine verlässliche Auslegung additiv gefertigter Verzahnungen ermöglichen.

Additiv gefertigte Leichtbauzahnräder
© Sebastian Preintner (TUM)
Additiv gefertigte Leichtbauzahnräder

Forschungsansatz

Das Vorhaben gliedert sich in drei eng verzahnte Forschungsschwerpunkte:

1. Leichtbauoptimierung des Radkörpers


Aufbauend auf bestehenden Leichtbaudesigns werden durch rechnergestützte Optimierung (u. a. Computer Aided Optimization und bionische Ansätze) neue Radkörpergeometrien entwickelt, die eine Masseeinsparung von mindestens 60 % ermöglichen. Die statische und dynamische Tragfähigkeit wird anschließend experimentell an Pulsator- und Verspannungsprüfständen der FZG validiert.


2. Oberflächenoptimierung im Zahnfußbereich


Durch nachgelagerte Schleif- und Strahlbehandlungen (Ausschleifen, Gleitschleifen, Festigkeitsstrahlen) sollen die Rauheit und oberflächennahe Fehlstellen reduziert werden. Ziel ist die Steigerung der Zahnfußtragfähigkeit auf Dauerfestigkeitskennwerte zwischen den Werkstoffqualitäten MQ und ME.


3. In-Situ-Aufkohlung mit variabler Einsatzhärtungstiefe


Das Fraunhofer IGCV setzt einen Multimaterialprozess ein, bei dem Pulver mit unterschiedlichem Kohlenstoffgehalt (16MnCr5 + Graphitpartikel) gezielt im Pulverbett abgelegt wird. Durch das rasche Abkühlen beim Laserstrahlschmelzen entsteht lokal eine martensitische Randschicht – ohne konventionelles Aufkohlen im Ofen. Erstmals soll eine auf Zahnfuß und Zahnflanke individuell angepasste Einsatzhärtungstiefe (CHD) realisiert und hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit bewertet werden.

Erwartete Ergebnisse und Nutzen für KMU

© AdobeStock_115820659

Die Forschungsergebnisse liefern praxisnahe Handlungsempfehlungen und Richtlinien für: 

  • die konstruktive Auslegung von Leichtbau-Verzahnungen mit sehr hohen Masseeinsparungen
  • die Wahl und Parametrierung geeigneter Oberflächennachbehandlungsverfahren
  • die Anwendung der In-Situ-Aufkohlung zur Einsparung von Wärmebehandlungskosten. 

Die gewonnenen Tragfähigkeitskennwerte sollen in die Normung einfließen und damit einen direkten, dauerhaften Wissenstransfer insbesondere in kleine und mittlere Unternehmen sicherstellen. kmU profitieren konkret durch reduzierte Investitionskosten (werkzeuglose Fertigung), flexiblere Kleinserienproduktion und ein erweitertes Produktportfolio.

Zusammenarbeit

Wir finden gerne eine individuelle Lösung für Ihr Anliegen.

Branchenlösungen

Die Schlüsselbranchen des Fraunhofer IGCV:

  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Luft- und Raumfahrt
  • Automotive und Nutzfahrzeuge

Kompetenzen

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