Pressemitteilung

Gründung Fraunhofer IGCV

29.6.2016

Zum 01.07.2016 erhält Augsburg eine erste Fraunhofer-Einrichtung – es ist die erste mit produktionstechnischer Ausrichtung in Bayern. Das Fraunhofer IGCV bündelt die Forschung und Entwicklung in den Bereichen Leichtbaugusstechnologien, Faserverbundwerkstoffe und intelligente automatisierte Fertigung und generiert Innovationen für die deutsche Industrie.

© Foto Fraunhofer IGCV

Das Fraunhofer IGCV geht aus den beiden Fraunhofer-Projektgruppen Ressourceneffiziente Mechatronische Verarbeitungsmaschinen RMV und Funktionsintegrierter Leichtbau FIL hervor. Gleichzeitig wird in Garching eine dritte Abteilung für Gießereitechnik aus dem Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen utg der Technischen Universität München (TUM) aufgebaut. Die neue Forschungseinrichtung beschäftigt zu Beginn ca. 100 Mitarbeiter und soll bis 2021 auf ca. 160 Mitarbeiter anwachsen.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner: »Die Bayerische Staatsregierung hat den Aufbau der beiden Forschungsgruppen mit rund 43,5 Millionen Euro gefördert. Mit der Neugründung des Fraunhofer IGCV stärken wir jetzt den Forschungs- und Innovationsstandort Bayern weiter. Das ist ein starkes Signal für Augsburg und Garching, aber auch für den Freistaat insgesamt«.

Vielfält ige Forschungsansätze zeigen, dass durch die Kombination von Metall- und Faserverbundwerkstoffen das Leichtbaupotenzial gegenüber der singulären Anwendung stärker genutzt werden kann. Ein vielversprechender Ansatz ist dabei, die oftmals untereinander konkurrierenden technologischen Ansätze des Leichtmetallgusses und der Faserverbundbauweise komplementär einzusetzen. Die Fokussierung auf Hybridbauweisen und entsprechende Produktionssysteme bietet das Potenzial für stark integrierte Lösungen und neuartige Designkonzepte im Leichtbau. Bei den stark vom Manufakturcharakter geprägten Gießereien und CFK-Herstellern bzw. -Verarbeitern ist eine darüber hinausgehende intelligente Automatisierung und Digitalisierung von Handlungsschritten notwendig. Die Einbindung von Kompetenzen aus dem Bereich Industrie 4.0 ist daher als weiterer Baustein für eine wettbewerbsfähige Produktion von morgen anzusehen. »Gemessen an der Bedeutung des Leichtbaus gibt es deutschlandweit nur wenige Forschungsstandorte, die sich auf die Themenkombination Guss, Verbundwerkstoffe und intelligente Automatisierung fokussieren«, bestätigt  Fraunhofer-Präsident Professor Reimund Neugebauer. »Fraunhofer reagiert mit der Gründung der IGCV auch auf den wachsenden Bedarf an interdisziplinärer Forschung in den deutschen Kernindustrien Automobilbau, Luftfahrzeugbau sowie Maschinen- und Anlagenbau«.  

Die neue Einrichtung führen die Professoren Klaus Drechsler, Gunther Reinhart und Wolfram Volk. Alle drei Professoren leiten zudem je einen Lehrstuhl an der TU M. Diese enge Verbindung erschließt zahlreiche Synergien zur Erarbeitung umfassender Forschungsergebnisse. »Unsere Kooperation erstreckt sich von der Sicherheit in der Informatik über die Chemie biogener Rohstoffe bis hin zu Bauphysik, Siliziumtechnologie oder intelligenter Lebensmittelverpackungstechnik. Für die Entwicklung neuartiger Leichtbaustrukturen bündeln wir nun unsere Werkstoff- und Fertigungskompetenzen, bei denen die TUM seit Jahren führende Expertise hat. Damit setzen wir zusammen neue Maßstäbe in der Wissenschaft und industriellen Anwendung« ist Professor Thomas Hofmann, Vizepräsident der Technischen Universität München, überzeugt. Auch mit der Universität Augsburg und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg bestehen intensive Verbindungen und gemeinsame Projekte.

Die wichtigsten Branchen für das Fraunhofer IGCV sind der Automobilbau, der Luftfahrzeugbau sowie der Maschinen- und Anlagenbau. Die Anbindung an kleine und mittelständische Unternehmen steht dabei besonders im Fokus. Das freut auch Augsburgs Zweite Bürgermeisterin Eva Weber, »da somit perfekt auf die Wirtschaftsstruktur am Standort eingegangen wird«. Das Fraunhofer IGCV richtet sich stringent am Bedarf der Wirtschaft aus und versteht sich als wertschöpfender Dienstleister für produzierende Unternehmen. Die Planung des Fraunhofer IGCV begleitete ein hochrangiges Steering Committe, das sowohl aus Industrievertretern der relevanten Branchen (BMW, Airbus Helicopters, Voith, Bundesverband der Deutschen Gießereiindustrie) sowie Vertretern aus Politik (Bayer. Wirtschaftsministerium) und der TUM besetzt war. Auch die IHK Schwaben war ein wichtiger Wegbereiter für die heutige Gründung. »Wir sind überzeugt, dass das Fraunhofer IGCV den Wirtschaftsstandort Bayerisch-Schwaben stärkt und Augsburg damit eine gewichtige Rolle an der Technologieachse Süd spielen wird«, so Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben.

Die neue Forschungseinrichtung ist an den beiden Standorten Augsburg und Garching angesiedelt. Der Hauptsitz befindet sich mit der Zentrale und der Verwaltung in Augsburg. Die Außenstelle Gießereitechnik bezieht mittelfristig ein Technikum mit einem angeschlossenen Bürogebäude am Standort Garching in unmittelbarer Nähe zum Campus der TUM.

Bislang sind die Augsburger Standorte auf den Augsburg Innovationspark und den Martini-Park aufgeteilt, zukünftig soll alles im Augsburg Innovationspark gebündelt werden. Bereits in Planung ist der Neubau des früheren Fraunhofer RMV, der in Rufweite zum bereits bestehenden Neubau des früheren Fraunhofer FIL errichtet und 2019 bezogen werden soll. Mit dem Augsburg Innovationspark und der Ansiedlung von Unternehmen entsteht in räumlicher Nähe zur Universität eine Plattform zum Wissens- und Technologietransfer für Wirtschaft und Wissenschaft. Das Fraunhofer IGCV verfolgt mit seinen Partnern das gemeinsame Ziel, den Wirtschaftsraum Augsburg als europäisches Zentrum für Ressourceneffizienz zu etablieren.