Rückblick: Veranstaltungsreihe reTHINK

14. Februar 2017

© Fraunhofer IGCV
© Fraunhofer IGCV
Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding mit dem KMITL Bangkok (Universität)

Im November 2016 wurde vom Fraunhofer IGCV-Augsburg eine durch das BMBF unterstützte Travelling Conference zum Thema „CFK – Recycling und Nachhaltigkeit“ initiiert.

 

Das Schließen von Stoffkreisläufen und das Ermöglichen einer effektiven Abfallwirtschaft ist im Zuge der Globalisierung zu einer international gelagerten Problemstellung angewachsen. Vor allem auch deutsche Unternehmen dürfen sich hier durch das Abwandern der Stoffströme ins internationale Ausland nicht ihrer Verantwortung zum nachhaltigen Umgang mit Ressourcen entziehen. Im Sinne einer ausgeprägten Produktverantwortung muss es vielmehr unser Ziel sein, einen global geschlossenen Materialkreislauf zu realisieren. Neben einem rein sozial-ethischen und ökologischen Aspekt lassen sich mithilfe geeigneter Recyclingverfahren jedoch häufig auch profitable Geschäftsmodelle umsetzen.

 

Gerade im Falle der Faserverbundwerkstoffe stellt diese Tatsache gleichermaßen eine Problemstellung und große Chance dar. CFK gilt dabei als herausragender Wachstumstreiber und wird insgesamt als äußerst zukunftsfähiger Markt bewertet. Zugehörige Recyclingstrategien werden derzeit in Europa umfangreich erforscht, wobei Deutschland eine Spitzenposition einnimmt. Auch erste reale Verwertungsrouten für die zurückgewonnenen Fasern konnten bereits erfolgreich demonstriert werden. Dennoch ist die aktuelle Recycling-Quote für CFK im Vergleich zu anderen etablierten Konstruktionswerkstoffen wie etwa Aluminium oder Stahl, und selbst im Vergleich zu deutlich niedrig-preisigeren Materialien wie Papier oder Glas sehr viel geringer. CFK durchläuft heutzutage meist nur einen einzigen Lebenszyklus, bietet jedoch eigentlich aufgrund der sehr energieintensiven Herstellungsphase einzigartige Möglichkeiten frühzeitig entsprechende Recyclingtechnologien kommerziell anzuwenden. Außerdem ergibt sich innerhalb der kompakten Community des insgesamt jungen CFK-Marktes eine vergleichsweise sehr gute Erreichbarkeit und Leuchtturmwirkung für erfolgreiche Konzepte.

 

Das damit verbundene Know-How steht jedoch häufig nicht an den Standorten der CF-verarbeitenden Industrie zur Verfügung. Asien (inkl. Pazifikraum) besitzt bereits heute mehr als die Hälfte der jährlichen Produktionskapazität und stellt inzwischen auch knapp ein Viertel der weltweiten Nachfrage, gemessen an der direkten Bedarfsmenge. Insbesondere die asiatischen Schwellenländer nehmen hierbei, durch große staatliche Förderungen vorangetrieben, eine in Zukunft wichtige Position auf dem Weltmarkt ein.

 

Vor diesem Hintergrund wurde vom Fraunhofer IGCV-Augsburg im November 2016 eine durch das BMBF unterstützte Travelling Conference zum Thema „CFK – Recycling und Nachhaltigkeit“ initiiert. Dabei wurden jeweils eintägige Veranstaltungsreihen in den drei südostasiatischen Ländern Singapur, Thailand (Bangkok) und Malaysia (Kuala Lumpur) organisiert. Der Auftakt fand am 16. November 2016 in Singapur im Rahmen der JEC-Asia statt, einer der größten Fachmessen im Composites-Bereich im asiatischen Raum. Darauf folgten Konferenztage am King Mongkut´s Institute of Technology Ladkrabang (KMITL) in Bangkok, sowie der UCSI University in Kuala Lumpur. Die beiden Universitäten zählen zu den wichtigsten Forschungs- und Bildungseinrichtungen in der jeweiligen Region und zeichnen sich außerdem durch weitläufige internationale Austauschprogramme aus. Zudem bestehen dort umfangreiche eigene Forschungsaktivitäten sowie ein engmaschiges Netzwerk zu Themenfeldern des ressourceneffizienten Leichtbaus mit Faserverbundwerkstoffen. Mit dem KMITL wurde darüber hinaus inzwischen ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, welches in feierlichem Rahmen zu Beginn der Konferenz übergeben wurde.

 

Das Konsortium der vortragenden Sprecher setzte sich aus vier deutschen Experten des Fraunhofer IGCV, sowie zwei industriellen Vertretern der Entscheidungsebene deutscher Partnerfirmen des IGCV zusammen. Dies war zum einen ELG Carbon Fibre Ltd. als eines der weltweit führenden Unternehmen im industriellen Recycling von Carbonfaserstrukturen mittels Pyrolyse, sowie in der Herstellung von recycelten Kohlenstofffaserprodukten. Außerdem war die Textechno Herbert Stein GmbH&Co.KG vertreten, welche sich auf die Charakterisierung textiler Strukturen, sowie die Entwicklung zugehöriger Messtechnik spezialisiert hat und u.a. für Carbonfaserprodukte eine Spitzenposition einnimmt.

 

So war es möglich, Know-How entlang der gesamten Prozesskette bereitzustellen, wobei Technologien von der verschnittarmen Fertigung bis zur stofflichen Wiederverwertung carbonfaserhaltiger Abfallströme thematisiert wurden. Ein durchgehender Fokus bestand zudem auf der Charakterisierung der jeweiligen Materialien bis hin zur ganzheitlichen ökobilanziellen Bewertung (LCA). Das Konsortium wurde durch die Involvierung von inländischen assoziierten Multiplikatoren ergänzt, welche diese junge Thematik in ihrer Region aktiv vorantreiben. Durch die gleichzeitige Anwesenheit von Entscheidungsträgern aus Forschung, Industrie, Lehre und Politik konnte so sehr schnell ein konstruktives erstes Netzwerk für eine zukünftige erfolgreiche Zusammenarbeit aufgebaut werden.

 

Weitere Informationen

Eine Übersicht über die Konferenztage finden Sie im Veranstaltungs-Flyer.