Faserverbundbewehrung in der Bauindustrie
Beton mit Stahlbewehrung ist aktuell Standard im Bauwesen. Er ist günstig und konstruktiv flexibel. Dennoch stößt dieses System zunehmend an seine Grenzen. Stahl korrodiert und führt dabei zu erheblichen Aufwänden für Überwachung, Instandsetzung und Verstärkung. Um die Bewehrung zu schützen, sind große Betonüberdeckungen nötig, was Bauteile schwer macht und den Material- und Energiebedarf erhöht.
Hinzu kommt: Die Herstellung von Zement und Stahl gehört zu den CO₂-intensivsten Industrieprozessen. Mehr Beton und mehr Stahl bedeuten direkt höhere Treibhausgasemissionen – sowohl in der Produktion als auch beim Transport der schweren Fertigteile. Die hohe Wärmeleitfähigkeit von Stahl verschlechtert zusätzlich die Energieeffizienz von Gebäuden, und die elektrische Leitfähigkeit schränkt den Einsatz in EM-sensiblen Bereichen ein. Auch die schlechte Zerspanbarkeit ist problematisch, etwa beim Tunnelbau, wenn nachträglich Öffnungen geschaffen werden müssen.
Faserverstärkte Kunststoffe (FKV), insbesondere glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK), haben sich in den vergangenen Jahren als vielversprechende Alternative zur Stahlbewehrung etabliert. Sie sind korrosions- und chemikalienbeständig, deutlich leichter, weniger wärmeleitfähig, elektrisch nichtleitend und wesentlich besser zerspanbar. Weil FKV nicht korrodieren, kann die Betonüberdeckung reduziert werden. Diese Einsparung von Beton senkt CO₂-Emissionen und schont Ressourcen.